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ARBEITEN 4.0

Die digitale Arbeitswelt verändert auch die Anforderungen an Mitarbeiter und Bewerber. Autonomie und Selbstmanagement werden zu Schlüsselqualifikationen.

Looking for Freedom

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Unter einem Obstbaum träumt Isaac Newton vor sich hin, als ihm plötzlich ein Apfel vor die Füße fällt. Zu der Frage „Warum ist der Apfel eigentlich senkrecht nach unten und nicht zur Seite gefallen?“ schießt ihm ein Geistesblitz durch den Kopf: Wahrscheinlich zieht die Erde den Apfel an! Damit schreibt der junge Engländer (Physik-)Geschichte; er hat die Schwerkraft entdeckt.

 

Auch wenn nicht immer Bahnbrechendes wie bei Newton herauskommt, in einem sind sich Psychologen sicher: Auf die besten Ideen kommen wir, wenn wir entspannt sind, also in stressfreien Momenten – und nicht im Büroalltag. Nicht ohne Grund haben nach einer Studie gut 70 Prozent der Menschen ihre Aha-Erlebnisse unter der Dusche.

 

Nachdem die digitale Transformation ein Überlebenskampf ist, der nur durch Innovationen zu gewinnen ist, heißt das für Unternehmen: Sie sind gut beraten, für ihre kreativen Köpfe ein entsprechend stimulierendes Umfeld zu schaffen. Ständiges Duschen am Arbeitsplatz scheint da allerdings wenig praxistauglich. Daher bauen immer mehr Konzerne spezielle Ideenschmieden neben der Kernorganisation auf. Die kleinen agilen Units sind organisatorisch und prozessual anders aufgestellt und lassen den Beschäftigten größtmögliche Handlungsfreiheit. Ob Bosch, Daimler, Deutsche Bank, Lufthansa oder ThyssenKrupp: Für neue digitale Geschäftsmodelle setzt man auf abteilungs- und länderübergreifende Vernetzung, flexible Arbeitsmodelle, hierarchiearme Zonen und kollaborative Arbeitsformen.

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Autonomie als Ideenturbo?

Ja, meint auch die Arbeitnehmerseite. Das belegt eine empirische Studie des Personaldienstleisters Hays, der Zukunftsallianz Arbeit & Gesellschaft und der Gesellschaft für Wissensmanagement. In dieser aktuellen Umfrage wurden quer durch alle Branchen in kleinen wie großen Betrieben Akademiker und Fachkräfte befragt, welches Umfeld sie brauchen, um im Job innovativer zu sein. Das Ergebnis: Zwei von drei Berufstätigen wünschen sich mehr Freiheit und Souveränität bei der Gestaltung ihrer Arbeit. Wobei für die Befragten die freie Wahl von Arbeitszeit und -ort, Freiheit für den eigenen Stil und Vertrauen deutlich mehr zählen als flexible Organisationsstrukturen. Drei Viertel würden sich sogar stärker engagieren, wenn sie über neue Produkte mitentscheiden dürften. Vier von fünf sind überzeugt, dass die Produktivität steigen würde, wenn ihre Stimme bei firmenrelevanten Entscheidungen gehört werden würde.

Doch die Macht über die eigenen Arbeitsbedingungen hat ihren Preis. Wenn man allein entscheiden kann, ob man im Büro oder auf der heimischen Terrasse arbeitet, muss man seine Komfortzone verlassen und Eigenverantwortung übernehmen. In der Arbeitswelt 4.0 wird selbstbestimmtes Handeln nicht nur ermöglicht, sondern vom Arbeitgeber auch gefordert. Oder anders ausgedrückt: Aus der Tugend wird eine Pflicht. Denn wer in virtuellen Teams und vielleicht an mehreren Projekten gleichzeitig arbeitet, muss vor allem auch eines können: sich selbst organisieren und managen.

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Eine Zeitenwende deutet sich an.

Denn weniger Regeln und Vorgaben bedeuten auch mehr Risiko und Unsicherheit für den Einzelnen. „Es wird sich ein neuer Typus des Arbeitnehmerselbstständigen herausbilden“, erklärt Dr. Ulf Rinne, wissenschaftlicher Büroleiter am Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA). Der Volkswirtschaftler beobachtet schon seit einiger Zeit, wie die Grenzen zwischen den Erwerbsformen von Freiberuflern und Angestellten verschwimmen und sich auch die unternehmerischen Risiken ein Stück weit auf die Beschäftigten verlagern. „Angestellte werden zu Unternehmern innerhalb des Unternehmens. Unternehmerisches Denken wird daher eine zentrale Kompetenz von morgen sein.“

 

Auch andere Soft Skills werden in Zukunft noch mehr in den Vordergrund rücken, meint der Arbeitsmarktforscher. Soll heißen: Vernetztes Denken und Handeln, Problemlösungskompetenz und sozial-kommunikative Intelligenz werden zum Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt, während berufstypische Zeugnisse, Zertifikate und andere Leistungsnachweise an Bedeutung verlieren.

Die überfachlichen Fähigkeiten

scheinen die Jobs der Kopfarbeiter auch vor Automatisierung zu schützen und zukunftssicher zu machen: „Zumindest mittelfristig können wir davon ausgehen, dass Menschen auf Feldern wie analytischem Denken, Eigeninitiative und Abstraktionsfähigkeit Robotern noch überlegen sind und nicht durch Maschinen ersetzt werden können“, schätzt Volkswirtschaftler Ulf Rinne. Bedroht durch  Maschinen und Algorithmen seien in naher Zukunft vor allem Präzisions- und Routineaufgaben, auch auf Sachbearbeiterebene.

Mit den Jobprofilen verändern sich auch die Anforderungen an das Berufs- und Ausbildungssystem. Neben Soft Skills sollte jeder unabhängig von Beruf, Ausbildung und Erwerbsform nicht erst in Zukunft auch IT-Kompetenzen mitbringen. Nicht einmal mehr der lokale Bäcker kann sich heutzutage allein auf sein Handwerk konzentrieren, sondern er muss sich, um konkurrenzfähig zu bleiben, auch mit Webshop und Onlinevermarktung beschäftigen. Ulf Rinne hält sogar Szenarien für denkbar, in denen sich die gewohnten Berufsbilder auflösen: „Vielleicht sollten wir Beruf in Zukunft anders interpretieren und uns mehr auf Aufgaben und Tätigkeiten fokussieren.“ Konsequent zu Ende gedacht, würde das bedeuten, dass ein Bündel von allgemeineren Kompetenzen den klassischen Berufsabschluss ersetzen könnte. Karin Michaelis

Straff oder locker

Nach der X-Y-Theorie des Managementvordenkers Douglas McGregor gehen Manager in ihrem Führungsverhalten von zwei grundverschiedenen Mitarbeiterpersönlichkeiten aus.

Theorie X unterstellt Mitarbeitern, passiv und unselbstständig zu sein und ihren Job als notwendiges Übel zu sehen. Mit Vertrauen kämen Vorgesetzte bei ihnen nicht weiter. Nach dieser Führungsphilosophie braucht Personal Druck, Handlungsanweisungen und ständige Kontrolle, damit die Unternehmensziele erreicht werden.

 

Manager, die Theorie Y anhängen, halten Mitarbeiter von Natur aus für motiviert und leistungsbereit. Ihrer Auffassung nach übernehmen diese gerne Verantwortung, Selbstverwirklichung ist ihnen wichtig. Allerdings müsse man ihnen auch Handlungsspielraum lassen und Entfaltungsmöglichkeiten bieten. Dann könnten sie zur Höchstform auflaufen. Autoritäre Führung ersticke in diesen Fällen die Eigeninitiative.

 

McGregor empfahl Führungskräften, sich an dem positiven Mitarbeiterbild von Theorie Y zu orientieren.

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