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FIRMENKULTUR

In vielen Unternehmen werden Fehler lieber verschwiegen, als daraus zu lernen. Doch wer Rückschläge ignoriert, verhindert auch Chancen. Wie man erfolgreich scheitert.

Versagen macht noch keinen Versager

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„Es war wie Ertrinken. Die Wellen schlugen über mir zusammen, es gab kein Entrinnen“, erinnert sich Felix Maria Arnet an den absoluten Tiefpunkt seines (Berufs-)Lebens. Nach zuvor 18 erfolgreichen Jahren als Chef einer Werbeagentur musste er Insolvenz anmelden und verlor darüber auch noch Eigenheim und Altersvorsorge. Doch statt daran zu zerbrechen, besann sich der 49-Jährige nach der Schockstarre auf seine Stärken und kämpfte sich in die Erfolgsspur zurück. Heute berät und trainiert er als Coach Führungskräfte und Organisationen und vermittelt ihnen auch, warum Rückschläge manchmal das Beste sind, was einem im Leben passieren kann. Scheitern als Chance.

 

Entscheidend sei, dass man wirklich aus seinen Fehlern lerne, sagt Arnet. Sonst sei die Gefahr groß, dass man sie wiederhole. Den konstruktiven Umgang mit Misserfolgen nennt er „Fail-Forward-Strategie“ und meint damit, das Versagen als Beginn eines Entwicklungsprozesses zu begreifen und nicht Selbstkasteiung zu betreiben. „Die sofortige Akzeptanz des Scheiterns ist in solchen Krisensituationen am wichtigsten“, erklärt der Trainer, der seine persönlichen Erfahrungen auch in dem Ratgeber „Gescheit scheitern“ verarbeitet hat.

 

Dass Niederlagen nicht nur ernüchternd sind, sondern auch die Basis zukünftiger Erfolge, weiß jeder Sportler. Auch Kleinkinder lernen Laufen erst durch Hinfallen. So wie „Trial and Error“ die Basis für Innovationsprozesse wie Design Thinking ist. Auch das erfolgreichste Problemlösungsprogramm der Erde, die Evolution, geht nach dieser Methode vor: Auf sich ständig ändernde Umweltbedingungen reagiert die Tier- und Pflanzenwelt seit Jahrmillionen mit immer neuen Mutationen. Nur Erbanlagen, die funktionieren, werden optimiert, die anderen Versuche werden verworfen.

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Dennoch ist Scheitern das große Tabu unserer Leistungsgesellschaft. „In einer Welt, in der Wachstum normal und Erfolg Pflicht ist, wird Scheitern als Schande wahrgenommen“, weiß Arnet aus bitterem Erleben. Egal, ob man eine Firmenpleite hinlegt, den Master nicht besteht oder gekündigt wird, Fehlschläge stempeln einen hierzulande zum Versager. „Das Problem liegt in der mangelnden Fehlertoleranz, die uns anerzogen worden ist. Dadurch sind wir intolerant gegenüber eigenen Fehlern und denen anderer Menschen“, erklärt Coach Arnet. Daher wird „weder privat noch in Unternehmen offen über Misslungenes gesprochen.“ Ein Fehler im System.

 

Wie eine Kultur der Fehlervermeidung Firmen sogar in den Grundfesten erschüttern kann, zeigt das Beispiel VW. Nach Medienberichten haben Motorenentwickler des Konzerns aus Angst vor Gesichtsverlust und Schuldzuweisungen lieber systematisch die Abgaswerte manipuliert, als offen über die Probleme zu diskutieren, die sie bei der Entwicklung sauberer Diesel hatten. Jetzt wird der Betrugsskandal den Konzern einige Milliarden Euro an Strafzahlungen, Schadenersatz und Rechtsanwaltsgebühren kosten – die er vielleicht besser in innovative Lösungswege investiert hätte.

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Doch VW steht für eine ganze Armada an Firmen, in denen das Fehlerbewusstsein nur schwach ausgeprägt ist. Pannen, Irrtümer und Fehlentscheidungen werden in einer Welt, in der deutsche Ingenieurskunst nach Perfektion strebt, selten verziehen. Das lähmt die Kreativität, denn aus Angst vor Irrwegen bewegen sich die Mitarbeiter in den vertrauten Bahnen und Denkmustern. Schließlich wusste schon Albert Einstein: „Der einzig sichere Weg, Fehler zu vermeiden, ist, keine neuen Ideen zu haben.“ Das ist fatal in einer Zeit, in der die deutsche Wirtschaft durch den digitalen Wandel unter Veränderungsdruck steht und dringend auf gute Ideen angewiesen ist. Flops sind heute sogar zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor geworden. Schließlich werden laut Statistik in der Regel nur zwei von zehn Ideen zur Marktreife gebracht. Nicht umsonst gilt die „Erlaubnis zu scheitern“ als Motor des Silicon Valley.

 

Etwas mehr von der amerikanischen Fehlerkultur, in der Bauchlandungen lediglich Stufen auf der Erfolgsleiter sind, wünscht sich Berater Arnet auch für Deutschland. „Wir sollten Scheitern als etwas Positives begreifen. Es ist ein Alltagsphänomen, ohne das wir Erfolg gar nicht nachvollziehen können.“ Vielleicht haben dann auch mehr Geschichten von gescheiterten Unternehmern ein Happy End, weil sie von der Gesellschaft eine zweite Chance bekommen. Arnet: „Das sind doch genau die wagemutigen Menschen, die wir brauchen, um Deutschland nach vorne zu bringen.“ Karin Michaelis

Fünf Gebote für erfolgreiches Scheitern

Ratgeber von Felix Maria Arnet

 

Radikale Akzeptanz

Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder man zerbricht an der Situation oder man akzeptiert sie. Wichtig ist, das Schreckliche beim Namen zu nennen, sich der Situation zu stellen und keine Zeit mit Rückschau zu vergeuden. Das endet in zermürbender Selbstzerfleischung. Fehler sollten erst mit einem gewissen Abstand analysiert werden.

 

Der Helikopterblick

Sich einen schnellen und umfassenden Überblick zu verschaffen, ist das Wichtigste in der Krise. Nur so bleibt man navigationsfähig. Support leisten kann dabei ein bedingungslos vertrauenswürdiger Co-Pilot. Er hat den neutralen, realistischen Blick auf die Sachlage, der dem Gescheiterten fehlt.

 

Ballast abwerfen

In die Gänge kommen hat Priorität. Reduktion ist das Gebot der Stunde. Auch ein Mittelklassewagen fährt schließlich und es gibt auch schöne kleine Wohnungen. Im Job, z. B. als Selbstständiger, helfen Kooperationen in Raum und Angebot, wieder Tritt zu fassen. Schuldfragen dürfen einen in dieser Situation nicht belasten. Diese kann man nach der Krise klären, wenn man sich noch erinnert. Wenn nicht, belasten sie einen nicht beim Neustart.

 

An die eigene Stärke glauben

Gedankenhygiene ist angesagt. Raum ist nur für saubere Gedanken und die eigenen Stärken. Wer immer über den negativen Ausgang der Situation nachdenkt, tut unbewusst alles dafür, dass es tatsächlich so kommt, wie prophezeit.

 

Leben im Hier und Jetzt

Wer sich darin übt, achtsam zu leben, wird schnell den Wert der kleinen Dinge und die Kostbarkeiten des kleinen Fortschritts entdecken. Achtsamkeit bedeutet, empfänglich zu sein für den Moment, und nur für den Moment! In einer Krise ist diese Haltung das Schutzschild für das geschundene Ego.

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